Teil 2: Die Spanier pflegen immer noch enge Familienbande, auch wenn diese inzwischen weniger fest sind als früher. Aufgrund eines Wertewandels haben sich die innerfamiliären Beziehungen auch hier verändert. Die meisten Spanier sind katholisch. In den meisten Städten ist die religiöse Vergangenheit präsent, insbesondere durch die Kirchen, die oft die imposantesten Gebäude des Ortes sind.
Verhältnis Mitarbeiter-Chef:
Während in Deutschland die Verantwortung in Unternehmen eher horizontal und vertikal auf mehrere Köpfe verteilt ist, entspricht das iberische Organisationsmodell einer Pyramide. Dort steht der geschäftsführende Direktor („el patron“) an der Spitze. Die Iberer legen weiter Wert auf Hierarchien und Ränge; Ausländer verhandeln mit Partnern gleichen Ranges. Entscheidungen werden vom obersten Management getroffen. Im Süden wird dieses strenge Hierarchiedenken allerdings weniger angewendet als im Norden (z.B. im Baskenland). Die Mitarbeiter duzen sich durchweg, inklusive der Abteilungsleiter, untereinander.
Spanier schöpfen hohe Effektivität aus ihrer Fähigkeit zur Improvisation sowie ihrer Flexibilität. Sie gehen daher Projekte an, die Deutsche wegen zu großer Bedenken gar nicht in Angriff nehmen würden. Sie schätzen den Arbeitsplatz als Stätte menschlicher Begegnung und gestalten sich den Arbeitsrhythmus – etwa durch Kaffeepausen und längere Mittagspausen – angenehm. In der Projektzeitplanung differiert die Vorstellung des Spaniers von der des Deutschen, da die Iberer sich allzu großem Zeitdruck nicht unterwerfen. Aufgrund dessen ist mit längeren Realisationszeiten zu rechnen.
Quelle: handelsblatt.com
Interessant für uns ist das legere Arbeitsverhältnis speziell in der Provinz Alicante.
Nicht selten kommt der Bank-Chef aus seinem Büro und entschuldigt sich höflich bei wartenden Kunden, dass die entsprechende Mitarbeiterin noch nicht vom Einkauf zurück sei. Freundlich bietet er einen bequemen Sitzplatz an oder schickt einen Kollegen, der auf Wunsch sich der Sache annimmt. Mitarbeiter gehen während der Arbeitszeit Kaffee trinken (ist schon ein Ritual des Arbeitstages), einkaufen und erledigen, was erledigt werden muss. Der Kunde muss sich gedulden. Am Arbeitsplatz werden dann neben privaten Telefonaten und Gesprächen die Kunden angenehm locker bedient.