Alicante-Information-Blog

Teures Diesel – Streik auch in Alicante

Juni 11, 2008 · Kommentar schreiben

Gestern war es nicht zu überhören: in Alicante streikten die LKW-Fahrer! Auf den Strassen reihten sich die Fahrzeuge auf und gaben ein minutenlanges Hup-Konzert. Viele Zufahrten zu Kaufhallen waren mit LKWs zugestellt. In Bars wird lautstark und heftig diskutiert – man will sich die teuren Dieselpreise nicht gefallen lassen. In einigen Einkaufsmärkten waren heute bereits die Gemüse-und Fleischregale halbleer. Lesen Sie mehr in folgendem Artikel:

spiegel.de: 11.Juni 2008

Spanien reagiert mit Polizeiaufgebot auf LKW-Streik

Von Reiner Wandler, Madrid

Fisch und Fleisch gibt es nicht mehr, Milch und Joghurt werden knapp, der Industrie fehlen Zulieferungen: Spanien Lastwagenfahrer blockieren mit ihrem Streik das ganze Land. Doch was als friedlicher Protest begann, wird langsam zum bitteren Ernst – inzwischen hat die Polizei ein Großaufgebot in Marsch gesetzt .

Madrid – „Wut und Empörung“, mehr ist aus Juan Ordóñez nicht heraus zu bekommen. Der Vorsitzende der lokalen Gruppe der LKW-Fahrervereinigung Fenadismer steht mit seinen Kollegen den dritten Tag in Folge vor einem Großmarkt im südspanischen Granada. Die Stimmung unter den Truckern ist angespannt. „Wir wollten einen friedlichen Protest und schau wohin uns das geführt hat. Wir haben hier einen Toten und einen Verletzten zu beklagen.“

Am Dienstag mussten er und seine Kollegen mitansehen, wie ein Lieferwagen einen Streikposten überfuhr und dann Fahrerflucht begann. Am Mittwoch wiederholte sich die schreckliche Szene in den frühen Morgenstunden. Zum Glück wurde der Streikposten dieses Mal nur verletzt.

Weitermachen wollen die streikenden Lastwagenfahrer trotzdem. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, sagt Ordóñez. 40 bis 60 Prozent des sowieso schon schmalen Gewinns würden sie durch die ständig steigenden Dieselpreise direkt an den Tankstellen lassen. „So kann das nicht weitergehen“, erklärt Ordóñez.

Straßen ersticken im Stau

Nicht nur in Granada, auch in anderen großen Städten Spaniens belagern die LKW-Fahrer mit ihren Trucks seit Montag die Großmärkte. Sie protestieren damit gegen die hohen Treibstoffpreise und verlangen ein Einschreiten der Regierung. Doch die macht den streikenden Lastwagenfahrern Druck: Sie hat ein Großaufgebot von Polizisten gegen Streikposten in Marsch gesetzt. In ganz Spanien seien mehr als 25.000 Polizisten im Einsatz, um die von Lkw-Fahrern errichteten Blockaden aufzulösen, teilte Innenminister Alfredo Pérez-Rubalcaba am Mittwoch in Madrid mit. Über 50 Streikposten seien wegen illegaler Straßensperren festgenommen worden.

Denn tatsächlich ist die Blockade der LKW-Fahrer bislang ein Erfolg: Die Einfallstraßen rund um Madrid, Barcelona und Bilbao ersticken im Stau. Die Grenzen zu Frankreich und Portugal sind ebenfalls dicht. In beiden Ländern protestieren die Trucker aus dem gleichen Grund wie in Spanien. In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon kam am Dienstag ebenfalls ein Streikposten ums Leben. Auch er wurde überfahren.

Was als friedlicher Protest begann, ist inzwischen bitterernst. Seit den Vorfällen von Granada und Lissabon liegen die Nerven blank, in Alicante kam es zu mehreren schweren Zwischenfällen. So geriet in der Nacht zu heute ein LKW in Brand. Der Fahrer, der in der Kabine schlief, wurde schwer verletzt. Ob es ein Sabotageakt von Streikenden gegen Streikbrecher war, wird zur Zeit untersucht. Ein weiterer Streikposten wurde angefahren, als ein PKW, voll beladen mit Kisten, aus dem Großmarkt kam. Der Unfallfahrer flüchtete. Und in Murcia fielen in der vergangenen Nacht zwei Lkws von Streikbrechern den Flammen zum Opfer – verletzt wurde zum Glück niemand.

Und der Streik zeigt Wirkung: Wer zum Beispiel in Madrid bei den Großen der Branche Kartoffeln, Zwiebeln oder frisches Gemüse kaufen will, der sucht vergebens. Auf den Märkten wird das Fleisch knapp und beim Fisch sieht es nicht viel besser aus. Denn zusätzlich zu den LKW- Fahrern befinden sich auch die Fangflotten im Norden Spaniens im Ausstand. Sie protestieren ebenfalls gegen die hohen Dieselpreise. In den nächsten Tagen dürfte die Versorgungslage noch kritischer werden. Denn mittlerweile bleiben die Ernten in den Lagerhallen der Landwirtschaftsgenossenschaften liegen und nur noch 50 Prozent der Milch gelangt in die Molkereien.

 José-Normal-Verbraucher kann nicht mehr tanken

Allerdings hat José-Normal-Verbraucher mittlerweile ganz andere Sorgen als die Höhe der Spritpreise. Er ist froh, wenn er überhaupt tanken kann. Denn auch hier macht sich der Ausstand der Lastwagenfahrer bemerkbar. Am kritischsten ist die Lage in Barcelona, vielerorts hängt hier das Schild „Ausverkauft“. Da helfen auch die Tanklaster, die Spaniens Regierung mit Polizeieskorte auf Reisen schickt, wenig. Kaum ist der Sprit da, erschöpfen die Hamsterkäufe erneut die Bestände.

Auch die Industrie leidet unter dem Streik, sie kämpft mit ersten Engpässen. Vor allem die Automobilbranche klagt über das Ausbleiben der Teile von Zulieferern. Nissan, Seat, Renault und Mercedes Benz haben die Montagebänder geschlossen. General Motors wird folgen.

Das erhöht den Druck auf die Streikenden: Die LKW-Fahrer-Verbände und die spanische Regierung haben zwar gemeinsam zur Ruhe aufgerufen. Doch die Gespräche der Berufsorganisationen der Spediteure und LKW-Fahrer mit der spanischen Regierung sind seit dem Toten in Granada ins Stocken geraten.

Zwar verhandelte das Transportministerium mit der Spediteursvereinigungen CNTC weiter und gelangte sogar zu einer ersten Einigung. Doch da will etwa Fenadismer nicht mitziehen. Denn in den Abkommen ist viel von Stundung der Sozialversicherungsabgaben und von einigen Steuererleichterungen die Rede. Doch billigeren Kraftstoff für Lkws will die Regierung nicht zugestehen.

Und das macht Ordóñez wütend: „Wir, die kleinen und mittleren Speditionsunternehmen, machen 80 Prozent der Branche aus.“ Die CNTC gehöre nicht zu ihnen. „Sie nennen sich nur Transporteure“ Der kompromißbereite Verband beteiligt sich nicht einmal am Streik. Seine Vertreter ermuntern die Regierung gar zum harten Durchgreifen gegen die ausständischen Trucker.

Kein Wunder, dass die Einigung zwischen Regierung und CNTC den kleinen Lastwagenfahrern nichts bringt. Denn tatsächlich ist die CNTC die Vereinigung der großen Agenturen und Lagerhallenbesitzer. „Sie nehmen Aufträge an und nehmen uns dann unter Vertrag“, berichtet Ordóñez. Auf dem Weg von Großkunde über Großspediteur und Lagerhallenbesitzer zum tatsächlich fahrenden Subunternehmer wird der Lohn für die Fracht immer geringer. „Unten kommt kaum noch was an“, schimpft Ordóñez – und prophezeit einen langen, harten Streik.

Kategorien: Wirtschaft
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